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TRINKWASSERVERORDNUNG 2012

 

Mit der Trinkwasserverordnung setzt der Verordnungsgeber die Vorgaben der europäischen Trinkwasserrichtlinie (98/83/EG) um. Über das Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist das Bundesgesundheitsministerium ermächtigt, mit Zustimmung des Bundesrates entsprechende Regelungen für Trinkwasser zu treffen.

 

Die Trinkwasserverordnung hat den Zweck, die menschliche Gesundheit vor nachteiligen Einflüssen zu schützen, die sich aus einer möglichen Verunreinigung des Wassers ergeben können. Trinkwasser sollte appetitlich sein und zum Genuss anregen. Es muss farblos, kühl sowie geruchlich und geschmacklich einwandfrei sein.

 

Die Anforderungen an die Grenz- und Richtwerte wurden so festgelegt, dass Trinkwasser unter allen Bedingungen und von allen Personen auch von Säuglingen und Kleinkindern lebenslang getrunken werden kann, ohne dass eine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten ist.

 

Weil Trinkwasser ein verderbliches Lebensmittel und daher nicht unbegrenzt haltbar ist, müssen die Nutzer dafür Sorge tragen, dass eine regelmäßige Wasserentnahme an allen Entnahmestellen einer Trinkwasserinstallation stattfindet. Ansonsten muss insbesondere dort, wo Trinkwasser für die Zubereitung von Speisen oder Getränken genutzt wird, das Stagnationswasser ablaufen, bevor es genutzt oder für andere Zwecke verwendet wird.

 

Bei Errichtung, Erweiterung, Änderung und Instandhaltung von Trinkwasserinstallationen sind die anerkannten Regeln der Technik einzuhalten (z. B. DIN EN 806, DIN EN 1717 und DIN 1988). Ebenso dürfen nur Werkstoffe, Armaturen, Apparate und Bauteile in die Trinkwasserinstallation eingebaut werden, die den anerkannten Regeln der Technik entsprechen.

 

Die Trinkwasserverordnung richtet sich an alle Beteiligte, vom Wasserversorgungsunternehmen, Haustechnikplaner, Installateur bis zum Betreiber und jeder hat für seinen Bereich dafür Sorge zu tragen, dass die Anforderungen an das Wasser für den menschlichen Gebrauch eingehalten werden.

 

Diese Kommentierung richtet sich in erster Linie an Planer, ausführende Betriebe, Hersteller und Betreiber.

 

Die wichtigsten Punkte der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) für Anwender

 

§ 2 Anwendungsbereich

Begriff „Trinkwasser-Installation" wurde aus den technischen Normen der DIN EN 806, DIN EN 1717 und DIN 1988 in die Verordnung übernommen.

 

§ 3 Begriffsbestimmungen

Trinkwasser ist zum Trinken, Kochen und zur Zubereitung von Speisen und Getränken, andere häusliche Zwecke, Körperpflege und -reinigung, Reinigung von Gegenständen, die mit Lebensmitteln oder mit dem menschlichen Körper in Berührung kommen, z. B. Wäschewaschen mit Regenwasser Wasserversorgungsanlagen sind:

- zentrale Wasserwerke

- dezentrale kleine Wasserwerke

- Kleinanlagen zur Eigenwasserversorgung

- mobile Versorgungsanlagen, Land-, Wasser-, Luftfahrzeuge

- ständige Wasserverteilung - Trinkwasser-Installation

- zeitweise Wasserversorgung - Jahrmärkte

gewerbliche Tätigkeit: Gewinnerzielungsabsicht, z. B. bei Vermietung von Wohnungen

öffentliche Tätigkeit: Trinkwasserbereitstellung in öffentlichen Gebäuden, wie z. B. Hotels, Krankenhäuser, Seniorenwohnheime, Kindergärten usw.

 

§ 4 Allgemeine Anforderungen

Die Anforderungen der TrinkwV gelten als erfüllt, wenn die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden und den Werten der §§ 5 - 7 entsprechen.

 

§ 5 - 6 Mikrobiologische/chemische Anforderungen

Minimierungsgebot für mikrobiologische und chemische Konzentrationen, wie dies nach den anerkannten Regeln der Technik möglich ist.

 

§ 8 Stelle der Einhaltung

Bis zu allen Zapfstellen bzw. bis hinter der Sichtungseinrichtung an Apparaten

 

§ 9 Maßnahmen bei Nichteinhaltung der Grenzwerte

Gesundheitsamt kann Verwendungseinschränkungen, Ortsbesichtigungen oder zusätzliche Maßnahmen festlegen.

 

§ 11 Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren

Wenn als Sofortmaßnahme Trinkwasser-Installationen chemisch desinfiziert werden müssen, dürfen nur Aufbereitungsstoffe aus der Liste des Umweltbundesamtes (UBA) verwendet werden.

 

§ 13 Anzeigepflichten

Bei der Errichtung von öffentlichen Trinkwasser-Installationen sind folgende Zeiträume für eine Anzeige bei dem zuständigen Gesundheitsamt einzuhalten: unverzüglich bei der Errichtung mindestens 4 Wochen vorher bei erstmaliger oder Wiederinbetriebnahme innerhalb von 3 Tagen bei Stilllegung mindestens 4 Wochen bei baulicher oder betriebstechnischer Veränderung

 

§ 14 Untersuchungspflichten

Großanlagen zur Trinkwassererwärmung, wenn Trinkwasser für gewerbliche oder öffentliche Tätigkeiten abgegeben wird. Systemische Untersuchungen von Duschen oder anderen Einrichtungen, in denen es zu Vernebelungen von Trinkwasser kommt.

Zeitraum: 1 x jährlich

 

§ 15 Untersuchungsverfahren und Untersuchungsstellen

Untersuchungsverfahren nach den anerkannten Regeln der Technik

Untersuchungsstellen einschließlich der Probenehmer müssen in ein System der Qualitätssicherung eingebunden sein.

 

§ 17 Anforderungen an Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung oder Verteilung von Trinkwasser

Apparate müssen mit einer Sicherungseinrichtung nach DIN EN 1717 ausgerüstet sein.

 

Hinter der Sicherungseinrichtung gelten die Anforderungen der TrinkwV nicht mehr, es sei denn, es wird ausdrücklich darauf Bezug genommen.

 

Werkstoffe und Materialien, die in Kontakt mit Trinkwasser kommen, müssen den anerkannten Regeln der Technik entsprechen.

 

Wenn von einem nationalen oder europäischen Branchenzertifizierer (z. B. DVGW oder KIWA) zertifizierte Produkte verwendet werden, ist sichergestellt, dass die anerkannten Regeln der Technik eingehalten und die Anforderungen der TrinkwV erfüllt werden.

 

Liegt kein Zertifikat eines Branchenzertifizierers vor, sollte sich der Anwender vom jeweiligen Produkthersteller bestätigen lassen, dass das Produkt die allgemein anerkannten Regeln der Technik und die Anforderungen der TrinkwV erfüllt.

 

Kennzeichnungspflicht von Nichttrinkwasseranlagen ist zu beachten.

 

§ 18 Überwachung durch das Gesundheitsamt

Das Gesundheitsamt kann Trinkwasser-Installationen, die in gewerblichen oder öffentlichen Gebäuden eingebaut sind, in die Überwachung aufnehmen.

 

§ 19 Umfang der Überwachung

Wasserproben müssen repräsentativ entnommen werden und eine Aussage über die Qualität des Trinkwassers für ein gesamtes Jahr liefern.

 

Die Kosten für die Überwachung durch das Gesundheitsamt trägt der Betreiber.

 

Wenn das Gesundheitsamt gewerbliche oder öffentliche Trinkwasser-Installationen überwacht, dann müssen mindestens die Parameter untersucht werden, die sich in dieser Installation nachteilig verändern können, wie z. B. Legionellen.

 

§ 21 Information der Verbraucher und Berichtspflichten

Ab dem 1. Dezember 2013 muss der Verbraucher informiert werden, wenn noch Bleileitungen im Hausanschluss oder der Trinkwasser-Installation vorhanden sind. Bleileitungen müssen ausgetauscht werden, weil der Grenzwert von 0,010 mg/l nicht eingehalten werden kann.

 

Betreiber müssen Verbraucher in gewerblichen oder öffentlichen Gebäuden über verwendete Aufbereitungsstoffe oder Untersuchungsergebnisse schriftlich oder durch Aushang informieren.

 

Zweck dieser Verordnung ist es, sicherzustellen, dass dem Verbraucher zur Verfügung gestellte Wasser keine potenzielle Gefährdung der Gesundheit des Einzelnen und der Allgemeinheit darstellt. Es muss für die unterschiedlichen Zwecke des menschlichen Gebrauchs ohne Bedenken verwendet werden können.

 

Das Trinkwasser muss zu diesem Zweck „rein" sein, d. h. frei von unnötigen und unerwünschten Belastungen, da diese jede für sich die regelmäßigen Eigenschaften des Wassers verändern und unter Umständen die Gesundheit des Verbrauchers mehr oder weniger stark beeinträchtigen können.